Wer bin ich?

Lange bin ich einer alten Freundschaft hinterher gerannt,
lange habe ich getrauert, dass wir keine Freunde mehr sind.

Doch nun, nach einiger Zeit, sehe ich alles mit anderen Augen.
Augen, die nicht mehr durch den Nebel der Emotionen blicken.

Deine Meinung war meine, denn ich wollte dich behalten,
ich wollte, dass dieser eine Bruch, der kam, nie kommt.

Doch nun, nach einiger Zeit, bin ich dafür dankbar.
Dankbar dafür, dass du mich hängen lassen hast.

Ich konnte mich aus meinen eigenen Fesseln entreissen,
ich konnte entfliehen aus meinem eigenen Zwang.

Doch nun, nach einiger Zeit, bin ich, ich.
Ich bin meine eigene Person, nicht mehr du.

Es war schmerzhaft und unangenehm, alleine zu sein,
doch ich habe mich gefunden, ich weiß nun wer ich bin.

Kein andrer kann einen selber wirklich besser definieren, als man selbst.

Freundschaft

Aufrichtige Freundschaft ist wie ein Baum, der durch den Zyklus der vier Jahreszeiten geht. Es gibt Zeiten, da glaubt man die Freundschaft ist tot wie im Winter, doch genügen schon wenig Sonnenstrahlen und der Baum erwacht zu neuem Leben. Er kann wie im Sommer Früchte bringen, aber im nächsten Moment, scheint alles wie im Herbst vom Wind verweht zu sein.
Der Erdboden ist dieser, wieso die Freundschaft zustande kam. Dort schlägt der Baum Wurzeln, die sehr tief gehen können. So tief die Wurzeln reichen, so lang kann auch eine Freundschaft beim stärksten Wind bestehen.
Je höher der Baum aber wachsen kann, desto anfälliger wird der Baum und schwankt mit dem Wind, doch es ist eine Kunst standhaft zu bleiben. Wenn er einmal kracht, so hat der Baum immernoch tiefe Wurzeln und lebt weiter. Zu dieser Kunst gehören aber immer zwei, obwohl der Baum nur einer ist.
Eine oberflächliche Freundschaft aber ist wie ein Gänseblümchen, schön anzusehen, doch ohne Bestand und nicht von Dauer.

Veröffentlicht in:  on Juni 12, 2009 at 2:27 Kommentare (1)
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Der Rabe und der Fuchs

Rabe

Ein Rabe trug ein Stück vergiftetes Fleisch, das der erzürnte Gärtner für die Katzen seines Nachbars hingeworfen hatte, in seinen Klauen fort.
Und eben wollte er es auf einer alten Eiche verzehren, als sich ein Fuchs herbeischlich und ihm zurief: „Sei mir gesegnet, Vogel des Jupiter!“ – „Für wen siehst du mich an?“ fragte der Rabe. – „Für wen ich dich ansehe?“ erwiderte der Fuchs. „Bist du nicht der rüstige Adler, der täglich von der Rechte des Zeus auf diese Eiche herabkömmt, mich Armen zu speisen? Warum verstellst du dich? Sehe ich denn nicht in der siegreichen Klaue die erflehte Gabe, die mir dein Gott durch dich zu schicken noch fortfährt?“
Der Rabe erstaunte und freuete sich innig, für einen Adler gehalten zu werden. ,Ich muß’ dachte er, ,den Fuchs aus diesem Irrtume nicht bringen.’ – Großmütig dumm ließ er ihm also seinen Raub herabfallen und flog stolz davon.
Der Fuchs fing das Fleisch lachend auf und fraß es mit boshafter Freude. Doch bald verkehrte sich die Freude in ein schmerzhaftes Gefühl; das Gift fing an zu wirken und er verreckte.
Möchtet ihr euch nie etwas anders als Gift erloben, verdammte Schmeichler!
Gotthold Ephraim Lessing


Der stolze Rabe, der sich siet der Begegnung mit dem nun toten Fuchs für einen prächtigen Göttervogel, einem Adler hielt, wollte nun die Bestätigung seiner Rabenfreunde.
Er fragte sie: „Bin ich nicht ein göttlicher Vogel? Seht mein Gefieder an, es gleicht der unendlichen Pracht des Göttervaters Zeus!“
Lachend nickten sie und verspotteten ihn, sie riefen: „Was für ein Narr, was haben wir Raben mit Göttern zu tun? Du redest von Zeus? Eher wärst du ein großer schuppiger Fisch im Wasser, als dass du etwas besseres seist als wir alle es sind.“
Doch ihren Spott hörte der stolze Rabe nicht an, zuschnell wollte er weg von ihnen. Er war zu stolz um zu erkennen, dass sie Recht hatten. Sie sind nur neidisch, dachte er.
Er wollte nun den König der Tiere aufsuchen, um dort seine Bestätigung zu bekommen.
Der Rabe rief laut vor der Höhle des Löwen: „Kommt herraus, hier ist der Vogel des Zeus, welcher zu seiner Rechten Platz weiß.“
Langsam kam der Löwe aus seiner Höhle, erhaben und elegant. „Was willst du kleiner Vogel?“ brummte er wütend. „Was erlaubt sich ein unwürdiger meinen Schlaf zu stören?“
„Ich bin nicht unwürdig!“ Keifte nun der erzürrnte Rabe und erhob sich in die Luft. „Seht ihr nicht meine Göttlichkeit? Gebt mir eure Krone, ich bin mir sicher, ein solcher Vogel wie ich ist fähiger der Herrscher aller Tiere zu sein, als ihr. Ihr seid ein gewöhnliches Tier!“
„Nun gut!“ seufzte der Löwe, „komm nieder zu mir, um meine Krone dir zu geben.“
Eitel glitt der Rabe herab und freute sich darüber nun der Herrscher aller Tiere zu werden. Der Löwe aber holte mit seiner Pranke aus und zeriss den Raben.
„So ein Narr!“ brummte der Löwe und ging gemächlich in seine Höhle.

Schwarze endlose Tiefe

Lost

Der Wind ist bitter kalt und ich stehe vor einem Abgrund. Endlos tief und dunkel scheint er.
Getrieben von Unsicherheit und Verzweiflung möchte ich springen. Es scheint so einfach, loszulassen, sich treiben zu lassen. Hat man ersteinmal die Kraft und den Mut gefasst, geht alles so leicht, vielleicht zu leicht.
Doch ich habe noch keinen Mut.
Lange stehe ich nun schon da und betrachte ihn, den Abgrund, er könnte die Erlösung sein. Ist er das wirklich? Ich sollte mir jetzt keine dummen Fragen stellen, ich sollte mich trauen und einfach springen, ich werde ja sehen was ich davon habe.
Plötzlich spüre ich eine warme Hand auf meiner Schulter, eine Stimme haucht mir zu, du bist zu jung zum sterben, du wirst gebraucht, sieh nach vorne.
Tatsächlich, ich nehme die fremde Hand in meine und laufe über den Abgrund auf die andere Seite, die ich vorher nicht gesehen habe. Ich sehen ein Licht das mich warm umgibt. Der Abrgund, er wäre meine Erlösung gewesen aber nicht die Erlösung. Dumm habe ich geglaubt es müsste sich alles um mich drehen, ich habe nur auf den Abgrund gesehen, die andere Seite habe ich nie gesehen, nur die schwarze endlose Tiefe.

Was soll ich fühlen?

Was soll ich fühlen?

Unter einem alten knorrigen Baum irgendwo in der Steppe Afrikas wurden einmal sieben Löwenbabies geboren. Die kleinen gähnten und streckten sich, begrüßten den Morgentau und legten sich zur Mutter. Nur eines nicht. Der älteste war sich sicher das er kein Herz hatte. Keine Gefühle, nichts. Mit den Schatten des Baumes wuchs der Löwe. Er sah wie seine Brüdern und Schwestern herum tollten, ihre Jugend genoßen, doch er stand alleine neben allen anderen und beobachtete sie.
Eines Tages schickte ihn sein Vater hinaus in die weite Welt. »Was will ich mit dir Sohn? Du wärst des Thrones nicht würdig, geh geh hinfort und lern was es zu leben heißt!«
Darauf hin ging er immer nördlicher und nördlicher, das Gras wurde grün, die Blumen bunt wie ein Regenbogen. Dort traf er auf Vögel die so bunt waren, als hätten sie lauter Blumen im Gefieder. »Ihr bunten Vögel, sagt mir doch was soll ich fühlen, wie fühlen, was fühlen, so helft mir doch!« Ohne den Löwen zu beachten schnatterten die Papageien ohne Pause. Sie redeten und redeten, sahen zufrieden aus.
Für den kleinen ging die Reise fort, in Ländern wo das Gras immer so saftig war, als wäre der Morgentau noch nicht verdunstet. Dort traf er auf Schafe, braun, schwarz, weiße und gefleckte. »Ihr dummen Schafe, sagt mir doch was soll ich fühlen, wie fühlen, was fühlen, so helft mir doch!« »Mäh, mäh!« Machten sie immerzu, und kümmerten sich nicht um den Löwen der inzwischen so groß war das er hätte ihnen gefährlich kommen können. Sie allesamt waren unbekümmert und grasten vor sich hin.
Emotionslos ging er weiter, diesmal zog es ihm zu den Bergen. Zwischen dem Eis und den Bergspitzen die in den Wolken versanken, kämpften Widder um eine Dame. »Ihr Liebeskranken Tiere, sagt mir doch was soll ich fühlen, wie fühlen, was fühlen, so helft mir doch!« Ohne auch nur sich nur die Anwesenheit des Löwen anmerken zu lassen, stießen die Widder abermals gegeneinander. Der damals klein gewesene Löwe war nun alt, er legte sich auf den kalten Boden und beobachteten die Tiere. Der stärkere der Widder nahm ein hübsches Widder Weibchen und stolzierte herum.
Auf einmal kam dem Löwen die Erleuchtung. Was wollte er hier in den Bergen? Er gehörte in die Savane, dort wo es immer stechend heiß ist, bei seinen Geschwister und Eltern. Es überkam ihm ein Gefühl das er bisher immer unterdrückt schien. Heimweh. Trauer legte sich über seine müden und alten Glieder. Was hatte er in seinem Leben alles versäumt und gesucht, was schon immer bei ihm war? Die Papageien ihre Gesellschaft, die unbesorgten Schafe, die Brunft der Widder? Hätte er nicht all dies erleben können, wenn sich seine Augen früher aufgetan hätten? Träge setze sich der Löwe in Bewegung, er überquerte tausende Flüsse in seinem Leben, doch dieser schien zu breit. Er ertrank. Sein Leben war vorbei, bevor er leben konnte als er Begriff.

Veröffentlicht in:  on November 11, 2008 at 5:40 Kommentar schreiben
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Such dein Glück

Such dein Glück

Es war einmal ein kleiner fetter hässlicher Frosch der ging des Wegs um sein Glück zu finden. Doch fand ers nicht. Nicht unter dem Stein. Nicht unter dem Baum. Nicht unter dem Moos. Da ward der Frosch zutiefst traurig und wollte sich verkriechen in seinem Sumpf. Doch als er fast in sein warmes Zuhause konnte, da kam ein Storch. Der Storch fragte ihn „Was willst du kleiner hässlicher fetter Frosch, ich gewähre dir einen Wunsch bevor du stirbst!“
»Quak, quak, quak!« klagte der Frosch sein Leid. »Ach gib mir doch eine Gemahlin, eine mit der ich im Frühling auf den Seerosen sitzen kann und singen! Ein Weib das mich liebt so wie ich bin, ach ach schau mich doch an!« Vom Mitleid gepackt schnappte der Storch den Frosch, sodass er dachte sein letztes Stündlein hätte geschlagen, doch er hievte ihn auf seinen Rücken und sie flogen über das weite Land.
Immerzu fragte der Frosch »Wann sind wir da Storch? Wann?« Der Storch antwortete nicht und flog weiter übers Land übers Azurblaue Meer und über fremde Gebiete, die der Frosch nicht kannte.
Es duftete fremd, die Bäume waren anders, ganz anders, dort gab es weniger Tümpel und auch die Menschen schienen eine andere Farbe zu haben. Irgendwann gegen Mittag landete der Storch, die Sonne blendete und schien unermüdlich auf sie herab. »Hier finde ich meines, mein kleiner fetter hässlicher Freund, such dir auch ein Weib, und lass dich nie wieder blicken, ansonsten bist du meine Vorspeise!« Der Frosch schluckte und machte mit ein Paar Sätzchen sich aus dem Staub. Da wo er einen Tümpel zu sehen glaubte, war keiner. Da wo er glaubte er hätte sein Glück gefunden, war keines. Stunden über stunden musste der Frosch über trockenen Boden hüpfen. Wann war das letze mal als er sich sein Zuhause vorstellen konnte? Vor Tagen! Er wusste nicht einmal mehr wie Wasser aussah!
Traurig und wütend quakte er durchs Trockene, dieser verfluchte Storch! Lieber wär es ihm gewesen aufgespießt auf seinem verfluchten Schnabel zu sein, als das er weiter herumirren sollte bis an sein Lebensende. Getrieben vom Hunger und vom Durst wurde er schneller, sah nichts mehr spürte nichts mehr, als ihm etwas aus seiner Trance riss. Ein Sandsturm! Das hätte im gerade noch gefehlt! Leblos ließ er sich treiben, einfach dahin gehen, ihm war es egal, was würde es ihm schon bringen, für so hässliche fette kleine Fröschlein wie ihn sollte es einfach kein Weib geben.
Als der Frosch die schmerzenden Augen aufriss glaubte er, er sei im Himmel. Im Himmel der braun gefärbten Menschen. Er sah Wasser. Er sah lauter kleine hübsche Weiblein die vor ihm rum quackten. Er blinzelte vielleicht sollte das ein Traum im Tod sein? Nein das konnte nicht sein, sein Herzchen machte Purzelbäume. Eine etwas vergraute alte Froschdame kam auf ihn zu. »Mein Junge, es ist ein Segen das Ihr gekommen seid! All meine kleinen Mädchen suchen einen Gemahl. Oh weh! Mein Gatte sollte ihnen ihre Männlein bringen doch starben sie auf dem Weg, ach such dir doch eine Tochter aus!« Mit einem seufzen streckte sie ihre faltigen Froschhändchen zu den Mädchen die vom Leid nichts wussten. »Ach such dir eine aus!« wiederholte sie sich und führte ihn zu den kleinen Fröschlein. Was war das für ein Glück! Gerade eben, vor Stunden, dachte er er würde umkommen, und nun? Und nun sollte er ein Weib haben, eines schöner als das andere. »Ihr seid zu gütig, so gütig!« jauchzte der Frosch und nahm das jüngste und schönste als sein Weibe. Und von Generation zu Generation erzählen sich die Frösche am Teich in der Wüste was der Urvater durchleben musste, und das es nie falsch ist zu kämpfen, egal wie hässlich, wie fett oder wie klein man auch ist.

Maskenspiel?

Maskenspiel

Maskenspiel

Es hat plötzlich begonnen,
ich weiß nicht wieso und warum.

Je öfters sich unsere Blicke kreuzten,
desto mehr war ich Feuer und Flamme.

Aber eins weiß ich nun,
ich habe meine Zeit verschwendet.

Von Anfang an wirkte es irreal,
als ob das alles wahr sein könnte!

Ich habe mein bestes gegeben,
doch brachte es mir am Ende nichts.

Es ist egal, wie oft ich mich bemüht habe,
du wirst dich trotzdem nicht an mich erinnern.

Ich habs dir nicht übel genommen,
als du keine Zeit mehr hattest.

Aber dann hast du mich vergessen,
ich kann dich aber nicht vergessen!

Wieviel Wert hatte dies alles für dich,
wie wertvoll war diese Freundschaft?

Immer wieder wollte ich dich verstehen,
du aber anscheinend nicht mich!

Aber ich erkannte leider erst hinterher,
wie dein wahres Gesicht aussieht.

Doch das bringt mich jetzt nichts,
du hast mich vergessen!

Veröffentlicht in:  on Oktober 30, 2008 at 9:49 Kommentar schreiben
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Weit weg

Silence

Silence

Wieder bin ich allein mit meiner Kerze,
sie soll mit Trost spenden,
sie tut es aber nicht,
niemand tut das.
Du bist weg.

In Gedanken blicke ich auf ein Meer aus Erinnerungen,
sehr schöne.
Was bringt mir die Erinnerung,
wenn du nicht da bist?
Du bist weit weg.

Jede Erinnerung tut weh,
tiefer stechen die guten,
aber auch die schlechten,
denn diese sind mit dir.
Du bist zu weit weg.

Um dich in meine Arme zu nehmen und dir zu sagen,
das ich dich nie mehr loslasse.

(mehr…)

Rache ist bitter

Forgot to feel

Forgot to feel

Heute ist der Tag, ja heute, heute verbringe ich mein Werk, mein Racheakt, mein Sieg.
Es regnet in strömen, schnell rinnt es am Fenster runter, ich wünschte es wäre sein Blut. Die Erde erzittert vom getöse des Donners. Ja verschling doch all das übel! Ja die Welt soll nur erschüttert werden, denn ich möchte meine Rache ausüben, ich möchte ihm alles heimzahlen was er mir angetan hat, ich hasse ihn.
Langsam trete ich aus der Tür, der Wind peitscht mir den Regen scharf ins Gesicht, ich schmecke mein Blut vermischt mir Regen. Immer Zielgerade gehe ich auf den Treffpunkt zu mein Messer versteckt in einer Brusttasche. Oh ja, nun werde ich mein Werk vollbringen, er soll unter dem Messer Leiden, so wie ich litt, er soll qualvoll zu Grunde gehen, an dem was er mir angetan hat, unverzeihlich.
Unter der Bahnübergangs Brücke warte ich, ich warte, ein Zug donnert über mir vorbei, der zweite Zug. Verdammt! Ich fluche laut, was soll das? Er sollte kommen!
Ein kaum erkenntlicher Schatten nähert sich, immer mehr sehe ich seine Umrisse, sie kommen auf mich zu und wollen mich umarmen. Wie gut er doch aussieht, doch ich entreisse mich, ich höre ein Vergib mir, lass Gnade vor Recht walten, doch ich möchte es nicht hören. Die Schmerzen zu groß als das ich ihm vergeben könnte. Ich höre ihn sagen, ich spüre deinen Schmerz, ich spüre das deine Seele weint, doch es ist mir Egal. Voller Hass und Verzweiflung brüll ich zurück, Versuch doch mal eine kaputte Seele zuflicken, jede Wunde kannst man heilen, nur meine nicht.
Mehrere male stech ich, ich möchte sein Herz treffen, welches mich anlügt, welches mir die nie Wahrheit erzählt, welches mich verletzt.
Nun liegt er da, mit einem grinsen, ich denk mir, warum? Er war doch viel stärker als ich, wieso wehrte er sich nicht? Verwirrung macht sich in meinem Kopf breit, doch dann merk ich, es war Liebe die in schwach machte, unerbitterliche Liebe.
Er beugte sich, weil er mich doch liebte, er beugte sich, weil er mir Vergeben hat, so möchte ich ihm auch Vergeben, in all meinem Hass war ich blind, blind vor Liebe, wie man so schön sagt?
Welch Selbstironie, er liegt im Regen auf dem Boden, das Blut vermischt sich und rinnt wie das Wasser am Fenster die Straße hinunter. Langsam stehe ich auf, ich wanke, ritze unsere Initialien in einen nahe stehenden Baum, ramm es tief ins Holz, mit aller Kraft die ich aufbringen kann. Auch der Baum blutet.
Auch wenn es dunkel ist, das Blut des Baumes, wandert langsam den Stamm hinunter, lässt sich nicht von Wind und Wetter beeindrucken, geht seinen Weg.
Ich liebe dich, ich liebe dich, flüstere ich, während ich auf die Leiche zu laufe, Weine bitterlich, schmecke auch diesmal Blut, aber nicht meines, ich schmecke seines.
Wie witzig, immer wieder machte ich mich drüber lustig das jemand aus Kummer stirbt, doch ich sollte nicht alles so, so, ich weiß nicht, ja alles in den Dreck ziehen, ich sollte anfangen, Wahrheit von Lüge zu unterscheiden, doch es sollte nicht soweit kommen.

Am nächsten Morgen fand ein Mann der seinen Hund Gassi führen wollte die zwei Leichen, das Messer und die Narben im Baum. Ein wenig später traf die Polizei ein, jemand sagte, Schau, ich bin schon siebenundzwanzig Jahre verheiratet, alles Fit in der Ehe, und hier ein Paar hyperaktive Kinder stechen sich ab, ritzen Bäume kaputt und denken die Welt wäre so besser.
Wie Herzlos der Mensch doch war, wie verständnisslos. Am liebsten hätte ich ihn auch mit umgebracht, aber das geht ja nicht mehr, Tote können nicht Morden, Tote können keine Rache mehr ausüben, schade drum.
Aber sollte ich nichts gelernt haben? Rache ist nicht süß wie so immer behauptet wird Rache schmeckt wie Blut und Tränen vermischt, Rache schmeckt bitter.

Habe ich aus meinem Dokumentenspeicher rausgegruschtelt.

Veröffentlicht in:  on August 5, 2008 at 9:31 Kommentare (2)
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Im Abendrot

Ich sehe dich.

Ich sehe dich.

Im Abendrot

Wir sind durch Not und Freude
Gegangen Hand in Hand,
Vom Wandern ruhen wir beide
Nun überm stillen Land.

Rings sich die Täler neigen,
Es dunkelt schon die Luft,
Zwei Lerchen nur noch steigen
Nachträumend in den Duft.

Tritt her und laß sie schwirren,
Bald ist es Schlafenszeit,
Daß wir uns nicht verirren
In dieser Einsamkeit.

O weiter, stiller Friede!
So tief im Abendrot ,
Wie sind wir wandermüde –
Ist das etwa der Tod?

Ich liebe die Gedichte von Joseph von Eichendorff! Ich kann mich in jeden Vers hineinversetzen, ich sehe die Täler und spüre die Ruhe.

Ausserdem lieb ich es an dem Dichter, das er plötzlich aus dem Kontext über den Tod spricht,… so alles idyllisch und plötzlich wirft er etwas in dem Raum, was kaum damit zu tun hat. Nachdem man den Text genauer unter die Lupe genommen hat, scheint alles offensichtlicher, aber dennoch.

Seine Worte haben so eine wuderbare Kraft, die einen fesselt.